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Der Freizeit-Tausch
Dieser Beitrag ist Teil der Serie Der Betriebsausflug als Spiegel deiner Unternehmenswerte.
Ich fange mit einem Satz an, der einigen nicht gefallen wird:
Ein Betriebsausflug am Samstag ist ein Geschenk, für das der Beschenkte bezahlt.
Denk kurz darüber nach, was du deinen Leuten mit einem Samstags-Ausflug tatsächlich anbietest: ein Erlebnis – gegen ihre Freizeit. Das ist kein Geschenk. Das ist ein Tausch. Und zwar einer, bei dem dein Mitarbeiter die Währung stellt: seinen freien Tag, sein Familienwochenende, den Kindergeburtstag, das Fußballturnier der Tochter.
Viele empfinden diesen Tausch als fair, manche sogar als schön. Aber nenn ihn nicht Geschenk. Und wundere dich nicht, wenn die Begeisterung verhaltener ausfällt, als das Budget es verdient hätte.
Der Mittwochnachmittag erzählt eine andere Geschichte
Jetzt dreh es um: gleicher Ausflug, gleiches Programm, gleiche Kosten – aber am Mittwochnachmittag. Plötzlich lautet die Botschaft: „Wir schenken euch Arbeitszeit." Das Unternehmen gibt etwas, statt etwas zu nehmen. Die Programmkosten sind identisch. Die Wirkung ist eine völlig andere.
Ja, der Nachmittag kostet Arbeitszeit – das ist der eigentliche Preis, und genau deshalb ist er das eigentliche Signal. Wertschätzung, die nichts kostet, ist keine.
Warum ausgerechnet nicht Freitag?
„Dann machen wir es halt Freitagnachmittag" – klingt wie ein Kompromiss, ist aber der schwächste Tag von allen:
Alle sind gedanklich schon im Wochenende. Der Freitagnachmittags-Ausflug konkurriert nicht mit der Arbeit, sondern mit dem Feierabend – und verliert.
Die Belegschaft ist unvollständig. Viele Teilzeitkräfte arbeiten freitags nicht. Wer teilnehmen will, muss extra kommen – womit du wieder beim Freizeit-Tausch bist, nur für einen Teil der Belegschaft. Ausgerechnet für den Teil, der oft ohnehin jongliert.
Der Übergang ins Private verwischt den Rahmen. Der offizielle Teil franst aus, geht fließend in den privaten Abend über – auch versicherungsrechtlich kein Nebenschauplatz, dazu in einem eigenen Beitrag mehr.
Der Mittwoch-Effekt
Mittwoch oder Donnerstag dagegen liefern etwas, das kein Wochenendtermin kann:
Die Belegschaft ist vollzählig und im Miteinander-Modus. Genau die Dynamik, die du mitnehmen willst.
Der Ausflug wirkt nach – im Büro. Nach einem Mittwochs-Ausflug wird Donnerstag und Freitag noch darüber geredet. Die Fotos kursieren, die Anekdoten leben, der Flurfunk arbeitet für dich. Nach einem Freitags-Ausflug legt sich das Wochenende über alles – am Montag ist der Tag verpufft, als hätte er nie stattgefunden.
Du bekommst Wunschtermine statt Restplätze. Locations, Gastronomie und Anbieter sind unter der Woche besser verfügbar und oft günstiger. Volle Auswahl statt „da ist noch was frei".
Und ja – volle Transparenz: Ich bin Erlebnisanbieter. Mir hilft es auch, wenn Betriebsausflüge nicht alle am selben Freitag und Samstag stattfinden wollen. Aber prüf die Argumente selbst: Sie funktionieren auch ohne mich.
Was das für dich heißt
Wenn du beim nächsten Ausflug nur eine einzige Sache änderst, dann diese: Leg ihn in die Arbeitszeit, mitten in die Woche. Es ist die Stellschraube mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung – sie kostet keinen Euro mehr Programmbudget und verändert die Botschaft des ganzen Tages.
Dein Betriebsausflug ist ein Spiegel. Der Termin ist das Erste, was deine Leute darin sehen.
Im nächsten Beitrag räume ich mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: Kannst du deine Mitarbeiter eigentlich zur Teilnahme verpflichten? Die Antwort überrascht die meisten Chefs.
Bernd Laukötter ist seit zwölf Jahren Inhaber von CanuCamp – dem Erlebnisanbieter, der seit 1984 Betriebsausflüge und Teamerlebnisse im Münsterland gestaltet.